Bühneninstallation Theater
Suisse – Sale
Aufbau:
Grosse leere Bühne mit dunkelgrauen Wänden aus Pappe oder Tüchern. Projektionsapparate projizieren teilweise beschädigte Staatsembleme und Schweizerwappen auf diesen Hintergrund. Damit soll der arme, überschuldete Staat Schweiz symbolisiert werden.
In der Mitte des Hintergrundes, etwas erhöht wird auf gleiche Weise in Form und Farbe eines Schweizer Wappens ein grosses zweiflügliges, geschlossenes Tor gezeigt. Darüber der Schriftzug: GRENZTOR. An den Seiten je zwei uniformierte und bewaffnete Grenzwächter.
Diese Projektion ist in den ersten drei Szenen nur schwach zu erkennen. In der dritten Szene wird sie leicht aktiviert, d.h. stärker ausgeleuchtet.
In der vierten Szene erscheint das Tor voll im Licht und weit geöffnet.
1. Szene:
Mitwirkende:
3 Bauern mit Krückstöcken
3 Kühe original oder stilisiert dargestellt.
10 bis 15 Statistinnen und Statisten, je nach Grösse der Bühne
Handlung:
Drei zerlumpte Bauern mit Krückstöcken als Synonym für die notleidende Landwirtschaft führen drei schmutzige Kühe im Kreis, vor einer mit Nationalrätinnen und Nationalräten gebildeten Halbarena und lassen sie überall ihren Dreck fallen und urinieren auf den Boden. Nationalrätinnen und Nationalräte feuern mit faulen Sprüchen und Schlagworten die Kühe an, wie in einem Hockey- oder Fussballmatch, ihren Mist möglichst vor den Reihen der Gegner fallen zu lassen. Es können dafür originale Tiere verwendet werden oder von Schauspielern stilistisch dargestellte.
Zitate für Statisten: (faule Sprüche)
Uiiii, Ho ho, ja! lasst euren Seich dort drüben ab! / Hä hä hää, so, jetzt habt ihr euren Mist! / Ueli ans Telefon / Hilde mach nicht in die Hosen /
Panik – Bambi – Panik / Haslerweiss wäscht röter / / Gesang im Hintergrund nach der Melodie: (Fuchs du hast die Gans.....) Schlüer du hast der Auns befohlen, Leute hört gut her – die EU soll der Teufel holen, die Schweiz gibt’s sonst nicht mehr!) Andere skandieren im Chor, diesen Gesang niederschreiend: EU – NATO; EU – NATO; EU – NATO; EU – NATO;
Ausserdem: Publikumsgeräusche ab Tonband von einem richtigen Hockeymatch..
Schluss der 1. Szene (Vorhang oder Licht aus)
Für die Rolle der Personen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es könnten dafür mit Masken original gestaltete Nachbildungen von aktiven Volksvertreterinnen und Volksvertretern eingesetzt werden oder einfach Statisten mit ihren normalen Gesichtern. Die Personen sind alle gleich gekleidet, tragen aber quer über die Brust grosse Schärpen in den Parteifarben: Rot = SP / dunkelgrün = SVP / Orange = CVP / blau = FDP.
2. Szene:
Mitwirkende: Die Bauern mit den Kühen bleiben auf der Bühne.
Schauspieler 1: Bundesrat Couchepin
Schauspieler 2: Bundesrat Blocher
Schauspieler 3: Bundesrat Deiss
Bundesrätin Calmy-Rey Statistin
Bundesart Leuenberger Statist
Bundesrat Merz Statist
Bundesrat Schmid Statist
Schauspieler 4: Nationalrat Ueli Maurer
Schauspieler 5: Nationalrat Mörgeli
Schauspieler 6: Nationalrat Schlüer
Schauspieler 7 Nationalrätin Fässler
10 weitere Statisten Nationalräte / Innen
Auf einer erhöhten Plattform in einem angedeuteten, mit Stacheldraht gesicherten „Glashaus“ sitzen alle sieben Bundesräte auf Stühlen.
Im Hintergrund der Bühne erkennt man eine grosse Volksmenge (Projektion) welche die Schweigende Mehrheit des Volkes darstellt.
Bundesrat Blocher:
(erhebt sich und beginnt in seiner typischen Pose zu reden:)
Liebi Fraue und Manne!
(er wird sofort mit grossem Lärm niedergeschrieen und ausgepfiffen.) ( ev. Tonband)
(Nationalrätin Fässler eilt herbei und entleert mit homerischem Gelächter und Beifallsbezeugungen ihrer Parteifreunde vor ihm eine Schweinsblase mit Kuhkot.)
(Blocher ruft):
Vielen Dank! Kuhmist ist nützlich und alleweil fürs Wachstum gut, aber die Milch von Schweizerkühen schlägt noch besser an! Gebt mir einen Eimer, - ein Königreich für einen Eimer!
(Jemand reicht ihm einen Milcheimer auf dem „Volksouveränität“ geschrieben steht. Blocher steigt herunter und beginnt eine Kuh zu melken)
(Ueli Maurer und Ernst Schlüer (oder Ernst Mörgeli) eilen mit Eimern herbei und tun es ihm gleich.)
(Man hört eine grosse Volksmenge applaudieren)
Bundesrat Couchepin:
Mit einem Überwurf im Stile eines Königsmantels und einer Krone bekleidet, tritt auf. Er trägt in den Händen die Machtinsignien alter Herrscher: Ein Reichsapfel in Form eines vergoldeten Globus und ein Szepter. Er brüllt mit lauter Stimme:
Un-er-ört! – Volksouveränität ist Diktatür!! (mit französischer Betonung und Akzent) - Diktatür! -- auf-ören! – sofort- auf-ören!
(seine Stimme überschlägt sich und er versetzt den Eimern einen Tritt, dass diese über die ganze Bühne scheppern.)
Von links marschieren Personen auf mit roten Schärpen. Sie singen im Takt des Aufmarsches die „Internationale“ (Völker höret die Signale ...) und schwingen dabei mit erhobener Faust eine Tetrapackung Milch.
Nach einer Weile betreten von rechts Personen mit grüner Schärpe die Bühne und singen nach der Melodie „Trittst im Morgenrot daher....“
den folgenden Text: (Diese Sequenz möglicherweise nach der ersten Strophe beenden)
Schweizerland - mein Heimatland / fest gebaut mit Herz und Hand / unsrer Ahnen Freiheit - weiser Rat. / noch so lang die Berge stehen / lasst die Freiheitsfahne wehen! / ;:Vertraue auf des Höchsten Macht:; / ;:sie hat alles wohlgebracht:; /.
Friede Freiheit – Losungswort / für jeden Menschen jeden Ort / und den Frieden wahren - überall. / Uns der fremden Richter wehren / doch nicht Fremden Richter werden, / ;:verjagt mit Kraft die Tyrannei:; / ;:unser ganzes Streben sei:; /.
Wir wollen sein ein einig Volk, / verschied'ner Zungen voller Stolz, / doch in Demut leben - allezeit. / Lasset uns zusammenstehen, / einig sein - zusammen gehen. / ;:Der Starken Kraft und irdisch Gut:; / ;:geb den Schwachen Hilfe – Mut:; /.
Die Sängerinnen und Sänger der grünen Gruppe erhalten von rechts sukzessive mehr Zulauf, während die Gruppe der Roten nach links abgedrängt wird, abnimmt und schliesslich verstummt.
Bundesrat Deiss:
schlägt mit einem Rohrstock auf sein Pult, und schreit mit überschlagender Stimme:
Genug - Unkollegialität - Verrat, - Landesverrat, (er steigt von seinem Pult herunter.)
Diese freche Provokation haben wir nur dir zu verdanken! (er malträtiert mit dem Stock Bundesrat Blochers Rücken und deklariert in der Manier eines Oberlehrers: Du unfolgsamer Kerl! - Merke dir – entweder du stellst dich sofort auf unsere Seite und tust was wir dir befehlen, oder .....
in diesem Moment fasst Blocher den Rohrstock, zerbricht ihn in mehrere Stücke und wirft diese mit höhnischem Lachen vor Deiss’ Füsse. Deiss schleicht mit gesenktem Kopf und gebeugtem Rücken zu seinem Pult zurück und murmelt seinen angefangenen Satz gut vernehmbar zu Ende: ........du lässt es bleiben!
(Währenddessen ziehen die Bauern mit den Kühen im Hintergrund unbeirrt ihre Kreise. Wenn diese hin und wieder ihren Kot oder Urin ablassen, um so besser.
Schluss der 2. Szene. (Vorhang oder Licht aus)
3. Szene:
Aufbau:
Leere Bühne.
Handlung:
Nationalrat Peter Hasler, in einen Trainingsanzug gekleidet mit den Werbeaufschriften verschiedener Grossfirmen und Verbänden bestückt, z.B. Nestle, Novartis, UNIA, Economic Suisse, Avenir Suisse, UBS, Credit Suisse,etc.
Personen:
NR Peter Hasler, verschiedene Personen mit roter, oranger und blauer Parteischärpe.
NR Hasler (erscheint von rechts, die übrigen Personen betreten die Bühne von allen Seiten)
Hasler schleppt einen grossen schweren Korb hinter sich her, gefüllt mit vielen kleinen, grünen Kröten. (aus Marzipan)
Hasler:
Das sind die Zauberkröten die ihr zu schlucken habt so ihr das EU-Paradies erringen wollt!
Er verteilt einige der Kröten an die Umstehenden. Einige langen selbst in den Korb, bedienen sich und schlucken die Kröten sofort unter Freudenbezeugungen herunter und gehen nach links ab. Andere tun sich schwer damit und ekeln sich.
Hasler: Nur keine falschen Hemmungen, das Zeug muss runter, je schneller desto besser , wenn ihr das Jammertal Schweiz verlassen und in die paradiesischen Gefilde Europas eingehen wollt.
(Während er dies sagt, dreht und wendet er sich auf alle Seiten, um die Werbeaufschriften ins richtige Licht zu rücken.)
Nachdem alle noch Verbliebenen unter Ekelbezeugungen aber mit heroischen Gesten und unter massiver Mithilfe Haslers, die Kröten geschluckt haben, ziehen sie unter Erbrechen und mit dem bekunden heftiger Leibschmerzen nach links ab.
Schluss der 3. Szene
4. Szene:
Schengen – Das offene Grenztor
Aufbau:
Leere Bühne die einen beliebigen Platz einer Stadt darstellt, mit Strassencafés,
Geschäfts- und Wohnhäusern. (Projektion) Zwei oder drei Ueberwachungskameras, als futuristische Gesichter dargestellt mit einem übergrossen Auge, hängen von der Decke. Sie tragen Namen wie: ORWELL, BIG BROTHER, FACE CONTROL und beherrschen den oberen Teil des Bühnenraums. In der Mitte hängt anfänglich noch über den Kameras ein Netz oder dünner Schleier, das später abgesenkt werden kann. Das gut beleuchtete Grenztor im Hintergrund ist weit geöffnet. Die Grenzwächter sind verschwunden.
Handlung:
GewöhnlicheLeute wie sie in jeder Stadt vorkommen beim Einkaufen, kaffeetrinkend, flanierend mit Kinderwagen etc.
Vom geöffneten Grenztor strömen weitere Personen aller Rassen und Hautfarbe hinzu.
An den Seiten tauchen bewaffnete und mit Kameras ausgerüstete Polizisten auf. Sie mischen sich unter das Volk und fotografieren die Gesichter von allen Seiten. Manchmal heben sie an den Haaren Köpfe von Personen hoch und messen mit einer grossen Schublehre die Gesichter aus. Die Personen scheinen die Polizisten und was mit ihnen geschieht, nicht zu bemerken.
Später ziehen sich die Polizisten an die Seite zurück und von oben wird das Netz oder der Schleier herabgelassen und deckt die Personen zu.
Diese ducken sich unter dem Netz immer tiefer bis sie sich nur noch kauernd fortbewegen können. Die Polizisten an den Seiten und ausserhalb des Netzes halten dieses mit den Schuhen am Boden fest.
Dialog:
Die Szene kommt ohne eigentlichen Dialog aus.
Während das Netz von oben niedergesenkt wird, kommt ein, im skandierenden Takt der immer schwerer werdenden Schritte der Personen hörbares, leises und dann anschwellendes Gemurmel auf:
FAHNDUNGS - SCHLEIER; FAHNDUNGS - SCHLEIER; FAHNDUNGS - SCHLEIER; FAHNDUNGS - SCHLEIER;
Nach einer Weile ebbt das Gemurmel wieder ab und es herrscht absolute Stille, - Totenstille. Diese Sequenz bis fünf Minuten anhalten.
ENDE, Vorhang oder Licht aus.
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